Grundlagen der Fotografie: Gleichgewicht in der Komposition

Optisches Gleichgewicht ist auf den ersten Blick eine ziemlich abstrakte Angelegenheit. Man muss das Wort Gewicht hier aber nicht wörtlich nehmen, es geht eher um Gewichtung, die Wichtigkeit der einzelnen Elemente auf dem Bild. Ich versuche das an einigen Beispielen zu erklären:

 

 

 

Auf diesem Bild sind nur zwei Elemente vorhanden: der Kreis und der Rahmen. Sieht man sich das Bild an, spürt man, dass hier etwas nicht stimmt. Das Bild ist nicht ausbalanciert.

 

 

 

 

Es wird hier noch deutlicher: der Kreis wird visuell von den Rändern des Rahmens in Richtung Mitte gedrückt.

 

 

 

Die Mitte ist die einzige Position, wo sich der Kreis "wohl" fühlt. Das Gleichgewicht ist hier hergestellt.

 

 

Bei zwei Kreisen wird es schon schwieriger eine geeignete Position zu finden. Hier scheint es aber keinen großen Konflikt zu geben. Die Kreise werden weder "angezogen" noch "abgestoßen".

Hier können verschiedene Positionen zum Gleichgewicht führen.

Das optische Gewicht

 

 

 

Nicht nur die Position, sondern auch das Gewicht, ist wichtig für die Balance im Bild. Hier hat der größere Kreis eine entsprechend größere Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

Aber nicht nur Größe ist für die Gewichtung entscheidend, sondern auch die Helligkeit und die Farbe. In diesem Beispiel hat der größere Kreis das geringere Gewicht, da er viel heller ist als der schwarze Kreis.

 

 

 

Wie sieht es jetzt aus? Genau, Rot hat mehr Gewicht als Blau.

 

 

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Gleichgewicht ist die Richtung. Das Dreieck sieht aus als ein Pfeil, der nach Rechts zeigt. Für die Harmonie braucht es etwas Raum in Richtung der Bewegung.

Das ist auch der Grund warum man in der Portraitfotografie oft mehr Raum in Blick-Richtung lässt ;-)

 

 

 

Sieht jetzt doch um Einiges harmonischer aus, oder irre ich mich?

Wieso ist das Gleichgewicht denn so wichtig? Es scheint als würde Vieles in der Natur nach Harmonie streben. So strebt auch das menschliche Auge nach einer Harmonie im Bild. Mit der Kenntnis von den Prinzipien der visuellen Gewichtung, kann man also harmonische Kompositionen erreichen oder gezielt eine Disbalance und Spannung erzeugen.  (Die sehr bekannte Drittel-Regel oder die Regel des Goldenen Schnitts beruht auch auf dem Bedürfnis nach Harmonie)

 

Die gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass man keine "Regeln" lernen muss, um harmonische Fotos zu machen oder um Spannung in Fotos zu erzeugen. Das Auge kann das einfach "fühlen". Man muss nur die Prinzipien kennen und beim Fotografieren im Hinterkopf behalten. Dann kann man den Ausschnitt oder die gesamte Komposition so gestalten, bis das Auge den gewünschten Effekt feststellt. Ihr könnt euch auf eure Augen wirklich verlassen!

 

 

Schaut euch diese Foto mal genauer an (in der Galerie Travel, kann man es auch vergrößern).

Der Mann links Unten bildet mit der Tonne eine dunkle Fläche. Die Straßenbahn rechts Oben ist viel größer als diese Fläche, hat aber nicht mehr Bedeutung. Erstens haben Personen insbesondere deren Blicke mehr bedeutung für uns, zweitens ist die Straßenbahn heller. Das Bild wirkt harmonisch, es gibt keinen Konflikt.

 

Der gleiche diagonale Bildaufbau hier führt nicht zum Gleichgewicht. Rein optisch haben die Luftballons mehr Bedeutung als das Ehepaar. Hier entsteht eine Spannung, die die Zugkraft der Ballons in Richtung Himmel verdeutlichen soll.

 

Hier noch ein Beispiel wie viel visuelle Gewichtung Gesichter haben. Die Silhouette des Mannes ist groß und dunkel, trotzdem kann das Gesicht (eine helle und viel kleinere Form) das Bild ausbalancieren.

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